Wiesbaden, 30.03.2026

„Kunst, die für den Menschen gemacht ist“

Elisabeth Heindls Installationen „passaggi“ und „Vis-à-vis“ sind bis zum 14. Mai 2026 in St. Mauritius Wiesbaden zu erleben.

Franziskus von Assisi war ein Heiliger, der in seinem Tun neue Perspektiven suchte und sich vom Althergebrachten abwandte. Die Möglichkeit der Neuausrichtung sei doch genau das, was die Welt auch heute brauche, führte Dr. Simone Husemann, Leiterin der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) Wiesbaden-Untertaunus und Rheingau, in Elisabeth Heindls Installation „passaggi“ in St. Mauritius Wiesbaden ein. Auf Einladung des Bereichs „Kirche und Kultur“ der KEB und des Kirchortes St. Mauritius anlässlich des Jubiläumjahres „800 Jahre Franz von Assisi“ konzipierte die süddeutsche Künstlerin für die Wiesbadener Kirche zwei Rauminstallationen. Sie lenken den Blick auf die Gegenwart und verzahnen den eigenen Transformationsweg mit dem Leben und Wirken des Heiligen. Die Installationen sind ausschließlich in St. Mauritius und nur vom 29. März bis zum 14. Mai 2026 zu erleben.

Ein Kirchenraum, der das Leid draußen lässt

Mitten im Kirchenraum werden die Menschen eingeladen, neue Wege einzuschlagen, den Blickwinkel zu ändern und zwei Installationen, die sich in ihrer Farbgestaltung und kubischen Form in den brutalistischen Kirchenraum integrieren, zu betreten und im Durchgehen auf sich wirken zu lassen. Heindl fordert auf, in die Kunst zu gehen und sich auf einem neuen Weg zum Altar führen zu lassen. Der Kirchenraum in St. Mauritius habe sie gereizt, da er das Leid draußen lasse und kompromisslos die Auferstehung feiere, so die Künstlerin, die über den Tanz und die Architektur zur Bildenden Kunst fand.

Der Titel ist dabei alles andere als beiläufig gewählt. „Passaggi“, das italienische Wort für Passagen, Übergänge, Durchgänge, benennt präzise, worum es Heindl geht: um das Dazwischen, das Unterwegssein, den Moment der Verwandlung. Nicht das Ankommen ist entscheidend, sondern das Durchschreiten selbst.

Erfahrung statt Wirkung

Im Kontrast zu den farbig gefassten Quadern steht die Installation „Vis-à-vis“ zwischen Altar und Sakristei – eine hohe, s-förmige Metallwand aus Lochblech, deren zylindrische Formen und durchscheinenden Flächen eine Begegnung ermöglichen und gleichzeitig das Farbenspiel des Buntglasfensters von Hans Georg Schleifer aufnehmen. Hier ist kein Durchschreiten möglich, sondern wer eintritt, muss die Zelle auf gleichem Weg wieder verlassen. Während man sich einzeln durch die passaggi-Installation bewegt, ist im Vis-à-vis ein Dialog, eine Begegnung möglich.

Husemann bezeichnet Heindls Installationen als Kunst, „die für den Menschen gemacht ist.“ Die „Räume in Räumen“ setzen nicht auf Wirkung, sondern auf Erfahrung. Heindl sagt, dass ihre Kunst und die Räume, in denen sie stattfindet, über den Körper wahrgenommen werden.

Schon frühzeitig in die Planung eingebunden wurde der Ortsausschuss von St. Mauritius. „Wir waren von den Entwürfen sehr angetan“, sagt Hedi Seidler. Die Installationen seien nicht nur gut in den Kirchenraum zu integrieren, sondern auch in das Gemeindeleben – etwa in die Erstkommunionfeier, die während des Ausstellungszeitraums stattfindet. Die Gemeinde sei offen für Kunst, das habe sie schon mehrfach gezeigt, freut sich Husemann über das gelungene Zusammenspiel vor Ort.

Die Installationen sind vom 29. März bis zum 14. Mai 2026 in St. Mauritius Wiesbaden, Abeggstraße 37, zu erleben. Die Kirche ist sonntags von 9 bis 12 Uhr (Messe von 9.30 bis 10.30 Uhr) geöffnet und donnerstags von 16 bis 18 Uhr. Eröffnet wurde die Ausstellung am Sonntag, 29. März, um 11 Uhr in Anwesenheit der Künstlerin.

Am letzten Ausstellungstag an Christi Himmelfahrt, 14. Mai 2026, sind Interessierte von 16 bis 18.30 Uhr zur Finissage, zu „Tanz & Talk“ mit der Künstlerin Elisabeth Heindl, der Hamburger Tanzperformerin Amelie Ricas und der Kunsthistorikerin Dr. Christiane Morsbach eingeladen.

Die Ausstellung nimmt zudem an der 24. Wiesbadener „Kurzen Nacht der Galerien und Museen“ am Samstag, 11. April 2026, teil! Ein Oldtimer-Shuttle fährt direkt zur Kirche St. Mauritius (http://www.kurze-nacht.de/), die an diesem Abend von 19 bis 23.30 Uhr geöffnet ist.

Anne Goerlich-Baumann

Redakteurin | Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

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Dr. Simone Husemann, Kunsthistorikerin, Leiterin Katholische Erwachsenenbildung Wiesbaden-Untertaunus und Rheingau

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