Hochheim
Rheingauer Winzer zeigen Solidarität
Erstmals wird im Rahmen der Misereor-Fastenaktion Soli-Wein aus dem Rheingau angeboten. Die Idee entstand in einer Misereor-Arbeitsgruppe, in der die Eröffnung der Fastenaktion in der Region Taunus geplant wurde. Über die Frage, was denn typisch für die Region sei, musste Winzerin Christine Schreiber nicht lange nachdenken. „Bei uns werden die Gäste mit einem Wein begrüßt“, erzählte die Vorsitzende des Sachausschusses Globale Verantwortung der Pfarrei St. Teresa am Main. Als sie erfuhr, dass die diesjährige Misereor-Fastenaktion „Hier fängt Zukunft an“ vor allem Ausbildungsprojekte im Handwerk in Kamerun in den Blick nimmt, war die Idee für den Soli-Wein geboren. Die engagierte Winzerin nahm Kontakt mit anderen Weingütern auf und bat um Unterstützung.
Die Winzer zeigten Solidarität: Eine Pfarrei und acht Weingüter aus dem Rheingau bieten in der Fastenzeit jeweils einen ausgewählten Wein als Misereor-Soli-Wein an. Ein Euro Aufschlag pro Flasche wird vollständig als Spende an Misereor weitergegeben und unterstützt deren Projektarbeit. Der Misereor-Soli-Wein verbinde „bewussten Weingenuss mit weltweiter Solidarität“, wirbt Misereor für die Aktion.
Im Rahmen einer Weinprobe im Weingut Schreiber´s startete nicht nur die Misereor-Soli-Wein-Aktion, an dem Abend wurden auch gleich zwei Soli-Weine verkostet. Probiert wurde ein fruchtiger Hochheimer Riesling Kabinett des Weingut Schreiber´s und ein trockener Riesling der Pfarrei St. Teresa am Main. Das Pfarrgut ist seit Jahrzehnten an das Familienunternehmen Schreiber verpachtet. Die Pacht lässt sich die Pfarrei in Wein statt in Geld auszahlen und darf selbst entscheiden, ob ein trockener oder halbtrockener Wein produziert wird. Auf die Flaschen wird sogar ein eigenes Pfarrei-Etikett geklebt. Der Soli-Wein kann über die Pfarrei bezogen werden.
Leute, die Misereor nicht kennen, zum Nachdenken anregen
Christine Schreiber hofft mit der Aktion möglichst viele Menschen, die Misereor nicht kennen, zu erreichen. Sie stellt den Soli-Wein ganz bewusst vorne auf die Verkaufstheke, um mit der Kundschaft ins Gespräch zu kommen. „Ich möchte Leute, die nichts mit der Kirche zu tun haben, zum Nachdenken anregen“, sagt sie. „Wir müssen global denken“, macht Schreiber deutlich, die die Menschen in ihren Heimatländern unterstützen möchte, damit sie dort die Möglichkeit auf Entwicklung haben.
Wie gut das gelingen kann, zeigten Dr. Andreas Frick, Misereor-Hauptgeschäftsführer, und Father Reuben Mbunwe aus der Diözese Kumbo in Kamerun während der Weinprobe auf und informierten, welche Ausbildungsprojekte CODAS Caritas in Kamerun anbietet, um junge Menschen aus der Arbeitslosigkeit in das Berufsleben zu begleiten. „Kamerun ist ein junges Land. Der Altersdurchschnitt liegt bei 19,4 Jahren“, berichtete Frick. Misereor helfe den Menschen, „ihre Würde zu entdecken“ und gebe ihnen eine Chance „an sich zu glauben“.
Soli-Wein verbindet Genuss mit Solidarität
In die Fastenzeit mit einer Weinprobe zu starten, sei schon etwas ungewöhnlich, gab Frick schmunzelnd zu. Aber man könne den Wein ja jetzt kaufen und nach Ostern trinken, schlug er augenzwinkernd vor. Ein Vorschlag, den Barbara Lecht, Leitung der Katholischen Region Taunus, gerne umsetzte. Den erworbenen Soli-Wein werde sie im Sommer trinken und sich beim Genießen über die Verbindung zu Misereor freuen, verriet sie an dem Abend.
Im Rahmen der Misereor-Fastenaktion lädt die Katholische Pfarrei St. Teresa am Main am Montag, 9. März 2026, um 19 Uhr zur Wohnzimmerkirche mit Brot und Soli-Wein in St. Bonifatius, Kolpingstraße 2, Hochheim ein.